Lastenradeln ist aktiver Klimaschutz

Lastenräder sind in unseren Städten schon allgegenwärtig. In meinem Blog “longdistance-cargocycling.org” zeige ich Euch, wie auch längere Lieferketten nachhaltig gestaltet werden können.

Das Prinzip ist einfach: Ich suche nach Einkaufsgemeinschaften für nachhaltige Produkte und besorge diese dann per Rad. Oder es finden sich Unternehmen, für die Nachhaltigkeit im Transport eine wichtige Rolle spielt. Dann fahre ich auch gerne für diese.

„Es geht nicht darum, ein bißchen Ware umher zu radeln. Es geht darum, das öffentliche Bewußtsein zu schärfen, um ein Nachdenken über unsere Kauf- und Transportgewohnheiten anzuregen.

Ich möchte uns mit longdistance-cargocycling.org vergegenwärtigen, wie selbstverständlich wir heute bei Transporten einfach auf herkömmliche Treibstoffe und den Lkw setzen. Vielfach machen wir uns über Gewichte und Entfernungen, über die die Ware transportiert wird, keine Gedanken.

„Wäre der Klimawandel ein Terrorist, würde er schon längst bekämpft worden sein.

unbekannt

Die 7 Phasen einer Fahrt – oder wie Du wieder nach Hause kommst

Phase 0: Der Vorabend

Die Fahrt beginnt eigentlich schon am Vorabend. Du checkst nochmal Dein Rad, du überlegst, was ziehst du an und was nimmst du zu Essen mit. In Gedanken fährst du im Voraus die Strecke zum x-ten Male ab, verhandelst mit dir deinen Respekt vor der Entfernung.

Viel wichtiger ist allerdings das Wetter. Ungünstiger Wind oder sogar glatter Gegenwind auf 100 km heißt schon mal, dass sich die Reisezeit vielleicht um eine Stunde verlängert. Viel schlimmer ist es, wenn Regen vorhergesagt wird. Aber immer gilt: Das Wetter wird bei der Abfahrt gemacht!

Es gilt: Das Wetter wird bei der Abfahrt gemacht!

Phase 1: Der Start

Piep-piep – wir haben uns alle lieb? Nein, der Wecker klingelt. Der Tag beginnt früh. Langstrecke mit einem Lastenrad bedeutet, mindestens 10, eher 12 Stunden im Sattel. Also früh los. Zumal um vier Uhr morgens noch wenig Autoverkehr herrscht. Traumbedingungen sozusagen.

Die ersten Kilometer kosten Mühe; du versuchst, Deinen Rhythmus zu finden und warm zu werden. Nach einigen zwanzig Kilometern meldet sich der Durst, oder sogar der Magen, denn ein frühes Frühstück ist nicht jedermanns Sache.

Phase 2: Das zweite Viertel

Mit Hellwerden beginnt dein Kopf an zu denken. Ganz schlechter Zeitpunkt jetzt, da die Hälfte der ersten Hälfte, also die Hinfahrt, noch nicht geschafft ist. Und Zeit für eine Pause ist eigentlich auch keine. Du gehst quasi Gassi mit deinem inneren Schweinehund, der dich immerwährend fragt, was wir beide zusammen hier draußen um diese Uhrzeit machen. Und wenn es jetzt regnet, zerrt der ganz schön an der Leine, aber in die falsche Richtung.

Der innere Schweinehund zerrt der ganz schön an der Leine, aber in die falsche Richtung.

Phase 3: Die erfolgreiche Hinfahrt

Hier könnte es stressig werden. Du bist mit dem Händler oder Erzeuger der Ware verabredet, die du abholen willst. Also gilt es, Öffnungszeiten einzuhalten. Oder es wartet eine Fähre auf dich, oder eben nicht. Also, fährst du gegen die Uhr – trotz aller Planung und geplanter Wegpunkte, die du pünktlich passierst: Immer schwingt Unbehagen mit, ob der aufgestellte Fahrplan funktioniert.

Phase 4: Einladen und nichts wie weiter…

Sofort nach einer Ankunft wirst du zum Pressesprecher deiner Initiative. Was tust du? Was willst du erreichen? Warum bist du so verrückt? Erklären, erläutern, einpacken, abfahren. Zeitpunkt der höchsten Motivation: Ware ist an Bord, Mitmenschen mit deiner Aktion erreicht, Rückfahrt.

Einladen und nichts wie weiter… Zeitpunkt der höchsten Motivation

Phase 5: Fahren, fahren, fahren

Gleicher Weg zurück oder zu einem neuen Ziel. Egal, jetzt nur die ganze Fuhre heile nach Hause bringen, und hoffen, es kommt nichts dazwischen.

Phase 6: Irgendwo…

Dein Schweinehund hat einen Spielgefährten gefunden. Du hast ihn nicht kommen sehen; er war einfach da, so aus dem nichts. Tiefpunkt der Motivation. Zu weit nach Hause, zu schwer nach Hause (weil Ladung ist ja schon an Bord), zu spät am Tag. Und wenn es jetzt Regnet, zerren die Hunde ganz schön an der Leine.

Phase 7 (ist Zufall, die verflixte Zahl)

Jetzt nur noch der berühmte Katzensprung. Müsste eigentlich Hundesprung heißen, denn der selbige innere ist jetzt beruhigt. Der heimatliche Fahrradkeller ist in Sichtweite. Schön, wenn es reibungslos geklappt hat.

Hinweis: Du kannst mehrmals durch die eine oder andere Phase fahren.

Regionale Lebensmittel: Dein Bier, nicht mein Bier?

Was zeigt das Spannungsfeld zwischen regional erzeugten Produkten und globalem Warenaustausch so gut auf wie Bier? Internationale Einheitsware konkurriert mit Craftbieren mit hoher regionaler Identität. Grund genug für longdistance-cargocycling.org, sich diesem Produkt anzunehmen.

Gutes Beispiel ist die Stadt Bremen. Hier braut ein internationaler Konzern ein bekanntes Fernsehbier, gleichzeitig gibt es einige Handwerksbrauereien. Von einer von diesen bringe ich einem Studienfreund eine gute Auswahl per Lastenrad vorbei. Dies ist das Prinzip von longdistance-cargocycling.org, für Freunde, Bekannte und Unternehmen regionale Produkte emissionsfrei zu transportieren.

Los geht es bereits am Vortag, um die Ware direkt bei der Brauerei in Empfang zu nehmen. Dann stehen 120 km Richtung Ostfriesland auf dem Plan. Logistisch mogele ich ein wenig, da die ersten Kilometer aus Bremen heraus per Bahn zurückgelegt werden. Trotzdem eine weitere Fahrt für das Projekt, eine weitere Anregung, um über unsere täglichen Ressourcenverbräuche nachzudenken.

Lastenradeln aus Kinderaugen

Das neue Video von longdistance-cargocycling.org

Lastenradeln aus Kinderaugen

Auf´n Kaffee mit…

… Julia, Laura, Nikolai, Stefan und Thomas von der Kaffeefahrt.

Zusammen bringen die fünf 25 kg gerösteten Kaffee per Lastenrad von Hamburg nach Münster. Den Kaffee hat zuvor die die Reederei Timbercoast mit dem einzigen deutschen Frachtsegler „Avontuur“ nach Hamburg gesegelt. Heute treffe ich die fünf, um sie auf einer halben Etappe zu unterstützen.

ein tolles Gefühl, fair gehandelten Kaffee an Bord meines Rades zu haben, der zuvor 4.500 Seemeilen gesegelt wurde.

Kaffee ist unser liebstes Getränk. Auf 162 Liter bringt es jeder Bundesbürger pro Jahr. Um so wichtiger, dass der Rohstoff klimaneutral transportiert wird. Ein Ziel der „Kaffeefahrt“, die jüngst durch Bremen kam.

Die Kaffeefahrt ist ein “Ableger” der schokofahrt.de. Die Schokofahrt ist eine dezentral organisierte, private Fahrradtour für den emissionsfreien Transport von Schokolade – sozusagen Schwarmlogistik per Lastenrad. Die Idee steht für nachhaltige Mobilität, CO2-neutralen Transport und bewussten Genuss. Alles passende Themen auch für mich.

Es ist ein tolles Gefühl, fair gehandelten Kaffee an Bord meines Rades zu haben, der zuvor 4.500 Seemeilen von der Karibik nach Deutschland gesegelt wurde – auch wenn ich damit nur 45 km weit fahre. Und cool, im Schwarm Lastenrad zu fahren: Meine nächste Tasse Kaffee werde ich deutlich bewußter genießen…

Erntezeit ist Marmeladenzeit…

… und longdistance-cargocycling.org sorgt für klimaschonenden Transport.

Ihr habt Interesse an handwerklich hergestellten Lebensmitteln mit Rohstoffen aus privaten Gärten unserer Region? Und zudem soll der Transport die Umwelt nicht belasten? Das war ein Fall für eine neue Fahrt:

Aus der Elbmarsch holten wir leckere Marmeladen, süße Säfte und herzhaften Essig für unsere Einkaufsgemeinschaft – alles selbst vermostet und verkocht direkt von Streuobstwiesen im Elbe-Weser-Dreieck.

Sonnengereift sind nicht nur die Früchte, sonnengereift war auch Euer Fahrer an diesem hochsommerlichen August-Tag am Ende der Tour.

Tourdaten

  • 15 kg Marmeladen, Säfte und Essig
  • 140 km (Bremerhaven – Otterndorf – Bremen)

Deutsche Bahn verbietet Mitnahme von Lastenrädern

Die Deutsche Bahn verbietet seit August 2019 die Mitnahme von Lastenrädern in ihren Zügen – ein weiterer Beweis, dass eine auf eine Wende gerichtete Verkehrspolitik in Deutschland noch lange nicht stattfindet.

Auch ich nutze für meine Fahrten die Züge der Deutschen Bahn. Bei mir gilt die Regel, dass zumindest alle Strecken mit Ladung per Muskelkraft gefahren werden. Trotzdem steige ich mit meinem leeren Lastenrad gelegentlich in einen Zug. Nun soll das nicht mehr möglich sein?!

Eine Invasion von Lastenrädern habe ich bei der Bahn bisher nicht beobachtet. Gerade sind es Familien mit Kindern, die mit ihren Lastenrädern gerne die Bahn nutzen – eigentlich eine Hauptzielgruppe, eigentlich. Gelungene, klimaschonende Verkehrspolitik sieht anders aus.

Mehr unter: https://www.cargobike.jetzt/deutsche-bahn-verbietet-sogenannte-lastenraeder-im-fernverkehr/

Die Initiative longdistance-cargocycling.org lebt vom mitmachen…

Meine Fahrten kommen nur zustande, wenn sich genügend Menschen finden, die nicht nur Interesse an Bioprodukten haben, sondern denen auch an einem klimaschonenenden Transport gelegen ist. Deshalb vielen Dank an Euch, die Ihr die bisherigen Projekte der Honig- und Brotfahrten mit Euren Bestellungen ermöglicht habt.

Für mich ist es spannend, mit Euch über neue Ideen für longdistance-cargocycling.org ins Gespräch zu kommen. Bei dem Versuch, Güterverkehr anders zu denken, gibt es in meinem „Abnehmerkreis“ der geradelten Produkte drei Grundmuster von Reaktionen.

Da sind zunächst die Bio-fokussierten: „Von dem Honig möchte ich auch einige Gläser!“ Ja, gerne, ist Ladung für die nächste Fahrt, aber um den Honig, um bei dem Beispiel zu bleiben, geht es mir doch gar nicht. Es kann auch Zeitungspapier sein; die Ladung ist nur Mittel zum Zweck, mit den Aktionen Aufmerksamkeit zu generieren und zum Andersdenken anzuregen.

Dann sind da die unglaublich Staunenden: „Wow, 200 Kilometer an einem Tag, mit Ladung auf dem Rad!“ Dieser Typ sieht den Sport im Vordergrund. Ich sorge bei ihm für Emotionen: Das Staunen und die Begeisterung, was die physische Leistung betrifft. Aber auch das ist mir wichtig, will ich doch zeigen, wie es sich anfühlt, eine Ladung Honig über 200 km per Muskelkraft zu bewegen.

Egal, was Du uns mitbringst, wir ermöglichen Dir eine neue Fahrt!

Simone

Und dann sind da die Begeistert-Mitreis(s)enden: „Egal, was Du uns mitbringst, wir ermöglichen Dir eine neue Fahrt!“ Sehr gut, so machen wir das, und ich wünsche mir viel mehr davon.

Letztere sind mir selbstverständlich am Liebsten. Aber auch alle anderen sind herzlich willkommen!

Die Flotte Biene 2.0

Die Flotte Biene „reloaded“ (siehe Beitrag vom 27. Mai 2019), aber diesmal nicht nur um leckeren Honig aus der bekannten Lüneburger Heide zu holen, sondern auch, um mit bestem Biobrot nach Bremen zurück zu fahren (siehe Bericht vom 3. Mai). Ich transportiere wieder klimaneutral heimische Produkte für Freunde und Bekannte mit dem Lastenrad – die Idee von longdistance-cargocycling.org

Dies ergibt eine formvollendete Kombination des Transports von dem süßen Elixier – outbound – und edlen Backwerk – inbound. Die Logistiker nennen das „paarige Ladungsströme“, was den Idealzustand beschreibt, der ohne Leerfahrten auskommt – jetzt auch bei longdistance-cargocycling.org!

Nur fast, denn hinzu kommt die Leeranfahrt in die Heide…

Die Tourdaten:

  • 280 km an zwei Tagen (Bremen – Lüneburger Heide – Hamburg – Bremen), davon leer 100 km
  • 12,5 kg Honig, 15 kg Biobrot

Pappe ist kein Pappenstiel: Mit Kartons unterwegs

Du ziehst um? Dann brauchst Du erstmal leere Kartons! Aus dem Baumarkt oder aus Zweiter Hand, sie müssen transportiert werden.

Breit und sperrig und nur was für´s Auto? Keinesfalls! Fein gefaltet und gestapelt passen rund 16 Stück auf das Rack des Omnium – eine perfekte Fahrt für longdistance-cargocycling.org.

Für eine Bekannte, also passend für das Prinzip, für Freunde Waren mit dem Lastenrad zu transportieren. Dabei ca. 170 km Auto-Kilometer gespart und erneut darauf hingewiesen, wie bequem wir es uns mit Auto und Lkw eingerichtet haben.

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