Phase 0: Der Vorabend

Die Fahrt beginnt eigentlich schon am Vorabend. Du checkst nochmal Dein Rad, du überlegst, was ziehst du an und was nimmst du zu Essen mit. In Gedanken fährst du im Voraus die Strecke zum x-ten Male ab, verhandelst mit dir deinen Respekt vor der Entfernung.

Viel wichtiger ist allerdings das Wetter. Ungünstiger Wind oder sogar glatter Gegenwind auf 100 km heißt schon mal, dass sich die Reisezeit vielleicht um eine Stunde verlängert. Viel schlimmer ist es, wenn Regen vorhergesagt wird. Aber immer gilt: Das Wetter wird bei der Abfahrt gemacht!

Es gilt: Das Wetter wird bei der Abfahrt gemacht!

Phase 1: Der Start

Piep-piep – wir haben uns alle lieb? Nein, der Wecker klingelt. Der Tag beginnt früh. Langstrecke mit einem Lastenrad bedeutet, mindestens 10, eher 12 Stunden im Sattel. Also früh los. Zumal um vier Uhr morgens noch wenig Autoverkehr herrscht. Traumbedingungen sozusagen.

Die ersten Kilometer kosten Mühe; du versuchst, Deinen Rhythmus zu finden und warm zu werden. Nach einigen zwanzig Kilometern meldet sich der Durst, oder sogar der Magen, denn ein frühes Frühstück ist nicht jedermanns Sache.

Phase 2: Das zweite Viertel

Mit Hellwerden beginnt dein Kopf an zu denken. Ganz schlechter Zeitpunkt jetzt, da die Hälfte der ersten Hälfte, also die Hinfahrt, noch nicht geschafft ist. Und Zeit für eine Pause ist eigentlich auch keine. Du gehst quasi Gassi mit deinem inneren Schweinehund, der dich immerwährend fragt, was wir beide zusammen hier draußen um diese Uhrzeit machen. Und wenn es jetzt regnet, zerrt der ganz schön an der Leine, aber in die falsche Richtung.

Der innere Schweinehund zerrt der ganz schön an der Leine, aber in die falsche Richtung.

Phase 3: Die erfolgreiche Hinfahrt

Hier könnte es stressig werden. Du bist mit dem Händler oder Erzeuger der Ware verabredet, die du abholen willst. Also gilt es, Öffnungszeiten einzuhalten. Oder es wartet eine Fähre auf dich, oder eben nicht. Also, fährst du gegen die Uhr – trotz aller Planung und geplanter Wegpunkte, die du pünktlich passierst: Immer schwingt Unbehagen mit, ob der aufgestellte Fahrplan funktioniert.

Phase 4: Einladen und nichts wie weiter…

Sofort nach einer Ankunft wirst du zum Pressesprecher deiner Initiative. Was tust du? Was willst du erreichen? Warum bist du so verrückt? Erklären, erläutern, einpacken, abfahren. Zeitpunkt der höchsten Motivation: Ware ist an Bord, Mitmenschen mit deiner Aktion erreicht, Rückfahrt.

Einladen und nichts wie weiter… Zeitpunkt der höchsten Motivation

Phase 5: Fahren, fahren, fahren

Gleicher Weg zurück oder zu einem neuen Ziel. Egal, jetzt nur die ganze Fuhre heile nach Hause bringen, und hoffen, es kommt nichts dazwischen.

Phase 6: Irgendwo…

Dein Schweinehund hat einen Spielgefährten gefunden. Du hast ihn nicht kommen sehen; er war einfach da, so aus dem nichts. Tiefpunkt der Motivation. Zu weit nach Hause, zu schwer nach Hause (weil Ladung ist ja schon an Bord), zu spät am Tag. Und wenn es jetzt Regnet, zerren die Hunde ganz schön an der Leine.

Phase 7 (ist Zufall, die verflixte Zahl)

Jetzt nur noch der berühmte Katzensprung. Müsste eigentlich Hundesprung heißen, denn der selbige innere ist jetzt beruhigt. Der heimatliche Fahrradkeller ist in Sichtweite. Schön, wenn es reibungslos geklappt hat.

Hinweis: Du kannst mehrmals durch die eine oder andere Phase fahren.