1000 km für 48 Gläser?

Gestern, ein typischer Herbsttag. Ich übergebe 48 Gläser Honig an Jean-Claude Leclere von LECLERE Solutions. Das Besondere: Der Honig hat Bremen per Lastenrad aus Schleswig-Holstein erreicht. Und er ist ein Weihnachtsgeschenk an die Kunden von LECLERE Solutions. Jean-Claude und mich vereint dabei eine Vision: Menschen, Unternehmen und die Gesellschaft zu ermuntern, sich von festgefahrenen Strukturen zu befreien und neue Wege zu gehen. Der Honig und das Lastenrad sind dabei Symbole für neues Denken.

Wir sagen, Workshops oder ähnliches alleine reicht nicht. Veränderung benötigt konkretes Tun. Wie das aussieht, zeigt sich an den besonderen Weihnachtsgeschenken. Ich habe mit meiner Initiative longdistance-cargocycling.org  den Transport organisiert. Geradelt wurde nach dem Motto „einfach mal machen“. Für diese Weihnachtsgeschenke waren zwei Fahrten nötig; jeweils 250 km je Richtung, insgesamt 1.000 km.

Lastenrad und Honig sollen anregen, aktuelle Probleme mit ungewöhnlichen Methoden anzugehen. Jean-Claude hat dazu ein Beispiel parat: Agilität hat in Unternehmen zunehmend einen hohen Stellenwert. Verkrustete Strukturen und lange Entscheidungswege behindern oftmals die Anpassung an neue Rahmenbedingungen. Und nun das Lastenrad: Wer kommt auf die Idee, Honig per Fahrrad über 250 km zu transportieren? Ungewöhnlich, aber möglich – Prototyp für neues Denken.

Verkehr zwischen Grundbedürfnis und Dekadenz?

Wir proben den „Ökologischer Ernstfall”: Viele Städte und Gemeinden in Deutschland haben vor Corona und angesichts von FFF den ökologischen Notstand ausgerufen. Was ist Polemik, was ist Realität? Ein Erläuterungsversuch von longdistance-cargocycling.org.

Real die Frage: Müssen wir in Norddeutschland wirklich Milch aus dem Süden, welche per Lkw herangekarrt wird, konsumieren? Brauchen wir einen 24-Stunden-Lieferdienst, der zusätzlichen Verkehr erzeugt; reichen nicht auch 2 Tage als Lieferfrist? Machen wir uns mal Gedanken, wie selbstverständlich solche Dinge für uns mittlerweile sind.

“Wir sollten anfangen, zwischen menschlichen Grundbedürfnissen und spätrömischer Dekadenz zu unterscheiden.“

Prof. dr. Nico Paech (2019)

Wie ernst gemeint sind die Aktionen der Städte und Gemeinden? Bekommen wir es hin, den Wunsch einer Verkehrswende im politischen Mainstream zu verankern?

„Demokratische Instanzen wagen niemals, gegen den Mainstream vorzugehen. Das wäre politischer Selbstmord. Deshalb bedarf es zunächst glaubwürdiger Signale aus der Zivilgesellschaft. Sie muss die Politik darin bestärken, endlich mit Klimaschutz zu beginnen.“

Prof. dr. Nico Paech (2019)

Uns wird von Unternehmen und Politik Nachhaltigkeit zumeist als ein “Weiter-so-aber-effizienter” verkauft. E-Autos sollen Abgase reduzieren; nachgedacht wird aber kaum über die Batterie-Rohstoffe oder den Flächenverbrauch in den Städten, der unabhängig von der Antriebsart ist.

Das E-Auto ist das Methadon einer fossilen Suchtkultur

Prof. Dr. Harald Welzer, 2019

Denkt mal nach: Was in unserem täglichen (Verkehrs-)Leben ist noch Grundbedürfnis oder schon (fossile) Dekadenz? Wie wollen wir unsere Mobilität in Zukunft gestalten? Mit meinen Aktionen ermuntere andere, mitzumachen oder ihre Handlungen und Konsummuster zu überdenken.

Zukunft ist keine Skalierung der Gegenwart

Prof. Harald Welzer, 2019
Harald Welzer (61) ist Soziologe. Seit 2012 Honorarprofessor für Transformationsdesign an der  Europa-Universität Flensburg und Direktor der Stiftung  Zukunftsfähigkeit FuturZwei in Berlin.

Niko Paech (58) ist Volkswirt und Nachhaltigkeitsforscher. Er lebt in Oldenburg, wo er bis 2016 als außerplanmäßiger Professor beschäftigt war. Inzwischen lehrt und forscht er an der Universität Siegen. Quellen: Interview im Weser-Kurier, 04. Juli 2019

“Bienen würden mich buchen”…

“Bienen würden longdistance-cargocycling.org buchen”, so ähnlich schrieb der Weser-Kurier, die Tageszeitung in Bremen, im Herbst 2019. Die Bienen haben wieder gebucht: Für die Unternehmensberatung Leclere Solutions holte ich Honig aus Schleswig-Holstein von der Schlei. Als Weihnachtsgeschenke für ihre Kunden.

Leclere Solutions berät Organisationen dabei, nötige Veränderungen zu erkennen und umzusetzen. Für die Unternehmensberatung ist longdistance-cargocycling.org ein gutes Beispiel, zu inspirieren und Veränderungen durch Vormachen anzuregen.

Für mich ist longdistance-cargocycling.org ein gutes Beispiel, zu inspirieren und Veränderungen durch Vormachen anzuregen.

Jean-Claude Leclere

Dafür floß viel Schweiß: Ca. 500 km quer durch Norddeutschland mit dem Lastenrad, davon die Hälfte mit knapp 25 kg Honig beladen. Und Veränderungen sind dringend nötig.

Unterwegs begegnen mir die Vergegenwärtigungen des globalen Warenaustausches, auf dem wir uns ausruhen. Auf der “grünen Wiese” Logistikzentren an den Autobahnen, die nur vom Lkw angefahren werden können; auf dem Nord-Ostsee-Kanal Schiffe, deren Besatzungen während der CV-19-Zeit kaum von Bord durften; das macht mich nachdenklich.