The grass is always greener…

… on the other side of the fence.“ Wirklich, oder nur ein Sprichwort? Ich will es ausprobieren und radele in die Niederlande.

Beiderseits der Grenze: Grüne, saftige Wiesen; plattes Land, zumindest im Norden, in Friesland. Wo ist der Unterschied? Mich interessieren die süßen Spezialitäten unserer Nachbarn, die Lebensmittelmärkte gerne vorhalten. Ein ganzes Lastenrad voll wird es nicht, aber das Zeug an Bord hat genug Energie aus Zucker und Fett für mindestens ein Jahr Radfahren.

Aber eigentlich sind die Lebensmittel nur eine Nebensächlichkeit meines Ansinnens, mal wieder vernünftig Rad zu fahren: In Sachen Radfahren sind die Niederländer tatsächlich grüner – im wahrsten Sinne des Wortes! The biker´s paradice – die Wege breiter und der Belag glatter. Eine dauernde Verkörperung einer Wertschätzung als Verkehrsteilnehmer.

Himmel und Hö…? Honig!

Himmel, ja, Honig, ja. Hölle, nein. So etwas wie die himmlische Versuchung, aber ohne Nebenwirkungen aus der vermeintlichen Unterwelt. War schliesslich Himmelfahrt. Statt wie hier im Norden üblich nicht Bollerwagen-ziehend, sondern Honig fahrend am sogenannten Vatertag. Der Honig dient als Symbol zum Umdenken, von unten nach oben – anders jedenfalls, genauso wie das Lastenrad.

Erfolgreich vernetzt in den Regionen

longdistance-cargocycling.org präsentiert sich auf der Regionallogistik-Datenbank des Verbandes der Regionalbewegung

Um einen schnellen Überblick über vorhandene logistische Lösungen in bundesdeutschen Regionen zu bieten und Interessierte zu vernetzen, hat der Bundesverband der Regionalbewegung e.V. eine RegioLogistikDatenbank eingerichtet. Die Regionalbewegung besteht seit 2005 und verbindet die vielfältigen Akteure des regionalen Wirtschaftens, die zu einer erfolgreichen und nachhaltigen Regionalentwicklung und der Stärkung ländlicher Räume beitragen.

Lastenrad: Lifestyle oder gelebte Regionalität?

Für die einen ist es Teil eines urbanen Lifestyles, für mich ist es ein Prototyp für mehr Regionalität und Anregung zu überlegen, woher unsere Produkte kommen und wieviel wir konsumieren wollen.

Beide Fragen werden auf einer Lastenrad-Tour “erfahrbar”: Die Distanz, die wir zurücklegen, und die Menge, die Du an Bord hast. Je weiter, je mehr, desto mühsamer wird´s.

Ein Mehr an Regionalität wurde zu Beginn der Pandemie eindrucksvoll an-, aber nicht zu Ende diskutiert. Und auch nur am Beispiel des “Mund-Nasen-Schutzes”. Muss der aus Übersee kommen? Der Schneefall in den letzten Tag hat gezeigt, wie verletztlich schon Lieferketten in Europa sind.

Ein Mehr an Regionalität wird oft mit Verzicht auf erstrebenswerte Produkte gleichgesetzt. Kaffe & Co. verstehe ich – der wächst hier nicht. Noch nicht. Mit Gemüse & Co. funktioniert Regionalität hingegen schon.

Mir fehlt ein Szenario, das die Möglichkeiten für weitere Produkte zeigt, eine Stadt mit ihrer Region besser zu verknüpfen – dezentral, unter Nutzung moderner Technologie wie dem 3-D-Druck und erneuerbarer Energien und innovativen Transportkonzepten. Da lässt doch was machen – für weniger Lifestyle und mehr gelebte Regionalität.

Highlights 2020

Das C-Wort machte die Runde. Na ja, ich hatte schon Bedenken zu fahren: “Andere liegen im Sterben, und Du drehst hier Deine Runden?” Bin trotzdem, oder gerade deswegen, gefahren.

Corona und die Klimakrise – Beide Entwicklungen sind Ausdruck einer globalen Krise. Die Pandemie ist Teil des falschen Umgangs mit der Natur und den Ressourcen auf der Erde.

Prof. Antje Boetius, 12.10.2020, im weser-kurier interview

Rum, Kaffe, junger Whisky, Honig – dieses Jahr war wieder (fast) alles dabei! Knapp 225 kg transportierte Ware, 2.000 gefahrene Kilometer. Und immer nach dem Motto “longdistance-cargocycling.org – Prototyp für Neues Denken”.

Bleibt allein! Bleibt gesund! Bleibt mir gewogen!

1000 km für 48 Gläser?

Gestern, ein typischer Herbsttag. Ich übergebe 48 Gläser Honig an Jean-Claude Leclere von LECLERE Solutions. Das Besondere: Der Honig hat Bremen per Lastenrad aus Schleswig-Holstein erreicht. Und er ist ein Weihnachtsgeschenk an die Kunden von LECLERE Solutions. Jean-Claude und mich vereint dabei eine Vision: Menschen, Unternehmen und die Gesellschaft zu ermuntern, sich von festgefahrenen Strukturen zu befreien und neue Wege zu gehen. Der Honig und das Lastenrad sind dabei Symbole für neues Denken.

Wir sagen, Workshops oder ähnliches alleine reicht nicht. Veränderung benötigt konkretes Tun. Wie das aussieht, zeigt sich an den besonderen Weihnachtsgeschenken. Ich habe mit meiner Initiative longdistance-cargocycling.org  den Transport organisiert. Geradelt wurde nach dem Motto „einfach mal machen“. Für diese Weihnachtsgeschenke waren zwei Fahrten nötig; jeweils 250 km je Richtung, insgesamt 1.000 km.

Lastenrad und Honig sollen anregen, aktuelle Probleme mit ungewöhnlichen Methoden anzugehen. Jean-Claude hat dazu ein Beispiel parat: Agilität hat in Unternehmen zunehmend einen hohen Stellenwert. Verkrustete Strukturen und lange Entscheidungswege behindern oftmals die Anpassung an neue Rahmenbedingungen. Und nun das Lastenrad: Wer kommt auf die Idee, Honig per Fahrrad über 250 km zu transportieren? Ungewöhnlich, aber möglich – Prototyp für neues Denken.

Verkehr zwischen Grundbedürfnis und Dekadenz?

Wir proben den „Ökologischer Ernstfall”: Viele Städte und Gemeinden in Deutschland haben vor Corona und angesichts von FFF den ökologischen Notstand ausgerufen. Was ist Polemik, was ist Realität? Ein Erläuterungsversuch von longdistance-cargocycling.org.

Real die Frage: Müssen wir in Norddeutschland wirklich Milch aus dem Süden, welche per Lkw herangekarrt wird, konsumieren? Brauchen wir einen 24-Stunden-Lieferdienst, der zusätzlichen Verkehr erzeugt; reichen nicht auch 2 Tage als Lieferfrist? Machen wir uns mal Gedanken, wie selbstverständlich solche Dinge für uns mittlerweile sind.

“Wir sollten anfangen, zwischen menschlichen Grundbedürfnissen und spätrömischer Dekadenz zu unterscheiden.“

Prof. dr. Nico Paech (2019)

Wie ernst gemeint sind die Aktionen der Städte und Gemeinden? Bekommen wir es hin, den Wunsch einer Verkehrswende im politischen Mainstream zu verankern?

„Demokratische Instanzen wagen niemals, gegen den Mainstream vorzugehen. Das wäre politischer Selbstmord. Deshalb bedarf es zunächst glaubwürdiger Signale aus der Zivilgesellschaft. Sie muss die Politik darin bestärken, endlich mit Klimaschutz zu beginnen.“

Prof. dr. Nico Paech (2019)

Uns wird von Unternehmen und Politik Nachhaltigkeit zumeist als ein “Weiter-so-aber-effizienter” verkauft. E-Autos sollen Abgase reduzieren; nachgedacht wird aber kaum über die Batterie-Rohstoffe oder den Flächenverbrauch in den Städten, der unabhängig von der Antriebsart ist.

Das E-Auto ist das Methadon einer fossilen Suchtkultur

Prof. Dr. Harald Welzer, 2019

Denkt mal nach: Was in unserem täglichen (Verkehrs-)Leben ist noch Grundbedürfnis oder schon (fossile) Dekadenz? Wie wollen wir unsere Mobilität in Zukunft gestalten? Mit meinen Aktionen ermuntere andere, mitzumachen oder ihre Handlungen und Konsummuster zu überdenken.

Zukunft ist keine Skalierung der Gegenwart

Prof. Harald Welzer, 2019
Harald Welzer (61) ist Soziologe. Seit 2012 Honorarprofessor für Transformationsdesign an der  Europa-Universität Flensburg und Direktor der Stiftung  Zukunftsfähigkeit FuturZwei in Berlin.

Niko Paech (58) ist Volkswirt und Nachhaltigkeitsforscher. Er lebt in Oldenburg, wo er bis 2016 als außerplanmäßiger Professor beschäftigt war. Inzwischen lehrt und forscht er an der Universität Siegen. Quellen: Interview im Weser-Kurier, 04. Juli 2019

“Bienen würden mich buchen”…

“Bienen würden longdistance-cargocycling.org buchen”, so ähnlich schrieb der Weser-Kurier, die Tageszeitung in Bremen, im Herbst 2019. Die Bienen haben wieder gebucht: Für die Unternehmensberatung Leclere Solutions holte ich Honig aus Schleswig-Holstein von der Schlei. Als Weihnachtsgeschenke für ihre Kunden.

Leclere Solutions berät Organisationen dabei, nötige Veränderungen zu erkennen und umzusetzen. Für die Unternehmensberatung ist longdistance-cargocycling.org ein gutes Beispiel, zu inspirieren und Veränderungen durch Vormachen anzuregen.

Für mich ist longdistance-cargocycling.org ein gutes Beispiel, zu inspirieren und Veränderungen durch Vormachen anzuregen.

Jean-Claude Leclere

Dafür floß viel Schweiß: Ca. 500 km quer durch Norddeutschland mit dem Lastenrad, davon die Hälfte mit knapp 25 kg Honig beladen. Und Veränderungen sind dringend nötig.

Unterwegs begegnen mir die Vergegenwärtigungen des globalen Warenaustausches, auf dem wir uns ausruhen. Auf der “grünen Wiese” Logistikzentren an den Autobahnen, die nur vom Lkw angefahren werden können; auf dem Nord-Ostsee-Kanal Schiffe, deren Besatzungen während der CV-19-Zeit kaum von Bord durften; das macht mich nachdenklich.