Systemaufstellung

Ihr mögt es beobachtet haben: ich bin im letzten Jahr kaum gefahren. Ja, stimmt. Da war eine Blockade.

Vielleicht war die Stimme derjenigen sehr laut, die fortwährend fragten, ob sich meine Initiative wirtschaftlich trüge, und wer mir meinen Einsatz bezahlen würde. Oder das Neue wollte einfach nicht in die Welt kommen.

Mir schien, ich bewegte mich in 2021 in einem Raum der Effizienz, wo ein ständiges „Mehr desselben“ die Lastenräder kommerzialisiert; sie ein bestehendes System optimieren lässt. Wir freuen uns über Lastenräder in den Städten, aber eigentlich sind sie dort ein Hilfeschrei der kommerzialisierten Innenstädte.

Doch gab es noch einen weiteren Raum, den der Funktionalität. Darin sind Lastenräder ein Multiplikator von Suffizienz und Regionalität. Aber offensichtlich gab es keine Türen von einem zum anderen Raum.

In einem System von mir (A), dem öffentlichen Gehör (B) und dem Narrativ (C), die sich in dem Spannungsfeld einer sportlichen Anerkennung des Lastenradfahrens, der Suche nach kommerzieller Verwirklichung und integralem Anspruch bewegten, ergaben sich überraschende Ergebnisse:

B ist bockig; B meint, A und C eiern ´rum. B ist unklar, wer führt: A fokussiert auf sportliche Anerkennung, oder C auf den integralen Anspruch? C ist ganz auf der Seite von A.

B meckert: „A schafft es nicht, die Sache in Worte zu fassen, so dass es die B-Menschen verstehen“. A macht das Verhalten von B wütend. Wollte B mitnehmen, bekommt eine Klatsche.

Was braucht es?

Für C: Die Faust in der Tasche, erklären, anbieten. Für B: A und C könen machen, was sie wollen. Für A: A müsste sich verstellen, wenn es sich auf die Sprache von B einliesse.

Die Lösung?

1000 km für 48 Gläser?

Gestern, ein typischer Herbsttag. Ich übergebe 48 Gläser Honig an Jean-Claude Leclere von LECLERE Solutions. Das Besondere: Der Honig hat Bremen per Lastenrad aus Schleswig-Holstein erreicht. Und er ist ein Weihnachtsgeschenk an die Kunden von LECLERE Solutions. Jean-Claude und mich vereint dabei eine Vision: Menschen, Unternehmen und die Gesellschaft zu ermuntern, sich von festgefahrenen Strukturen zu befreien und neue Wege zu gehen. Der Honig und das Lastenrad sind dabei Symbole für neues Denken.

Wir sagen, Workshops oder ähnliches alleine reicht nicht. Veränderung benötigt konkretes Tun. Wie das aussieht, zeigt sich an den besonderen Weihnachtsgeschenken. Ich habe mit meiner Initiative longdistance-cargocycling.org  den Transport organisiert. Geradelt wurde nach dem Motto „einfach mal machen“. Für diese Weihnachtsgeschenke waren zwei Fahrten nötig; jeweils 250 km je Richtung, insgesamt 1.000 km.

Lastenrad und Honig sollen anregen, aktuelle Probleme mit ungewöhnlichen Methoden anzugehen. Jean-Claude hat dazu ein Beispiel parat: Agilität hat in Unternehmen zunehmend einen hohen Stellenwert. Verkrustete Strukturen und lange Entscheidungswege behindern oftmals die Anpassung an neue Rahmenbedingungen. Und nun das Lastenrad: Wer kommt auf die Idee, Honig per Fahrrad über 250 km zu transportieren? Ungewöhnlich, aber möglich – Prototyp für neues Denken.