The grass is always greener…

… on the other side of the fence.“ Wirklich, oder nur ein Sprichwort? Ich will es ausprobieren und radele in die Niederlande.

Beiderseits der Grenze: Grüne, saftige Wiesen; plattes Land, zumindest im Norden, in Friesland. Wo ist der Unterschied? Mich interessieren die süßen Spezialitäten unserer Nachbarn, die Lebensmittelmärkte gerne vorhalten. Ein ganzes Lastenrad voll wird es nicht, aber das Zeug an Bord hat genug Energie aus Zucker und Fett für mindestens ein Jahr Radfahren.

Aber eigentlich sind die Lebensmittel nur eine Nebensächlichkeit meines Ansinnens, mal wieder vernünftig Rad zu fahren: In Sachen Radfahren sind die Niederländer tatsächlich grüner – im wahrsten Sinne des Wortes! The biker´s paradice – die Wege breiter und der Belag glatter. Eine dauernde Verkörperung einer Wertschätzung als Verkehrsteilnehmer.

Ausliefern per Rad? Oder: Ein Lastenrad im Geschäftseinsatz

Ein Gastbeitrag von Andreas Sieber

Seit 2012 betreiben wir in Marbach/Neckar ein Reformhaus. Das Lastenrad wurde schnell ein fester Bestandteil im Unternehmen. Am Anfang stand der Lieferservice und das Ziel, anfallende Verpackungsen zu entsorgen. Inspiriert von der ersten Schokofahrt 2019 begannen wir immer mehr Produkte von Produzenten in der näheren Umgebung ebenfalls mit dem Lastenrad zu transportieren. Wein, Kaffee, Honig und Nussmischungen werden seither konsequent per Rad abgeholt. 2020 waren das 2.800 Kilometer und 900 kg wurden bewegt.

Wir werden gefragt: „Warum macht ihr das und lohnt sich dieser Einsatz?“

Andreas sieber, lastenradler für ein reformhaus

Eine Frage die häufig gestellt wird ist „ Warum macht ihr das und lohnt sich dieser Einsatz?“ Der größte Beweggrund ist, ein Zeichen für die Verkehrswende zu setzen und so viel wie möglich klimaneutral zu transportieren.

Momentan rechnet sich dieser Einsatz – wenn man die reinen Zahlen nimmt – nicht. Nimmt man den Mindestlohn als Kosten für den Radfahrer, so ließe sich die Ware mit konventionellen Paketdienstleistern billiger transportieren.

Diese Betrachtung halte ich für einseitig: Würde der Spritpreis nicht subventioniert werden und würde dieser auch die Folgekosten für die Umwelt berücksichtigen, wäre das Lastenrad mit Fahrer durchaus konkurrenzfähig.

Wir stellen uns diese Frage aber gar nicht, sondern schauen ob dieser Einsatz mit dem Lastenrad praktikabel ist. Und diese Praktikabilität ist gegeben. Die Transporte dienen auch zur sportlichen Betätigung und sind deswegen auch keine vergeudete Zeit!

Verkehr zwischen Grundbedürfnis und Dekadenz?

Wir proben den „Ökologischer Ernstfall”: Viele Städte und Gemeinden in Deutschland haben vor Corona und angesichts von FFF den ökologischen Notstand ausgerufen. Was ist Polemik, was ist Realität? Ein Erläuterungsversuch von longdistance-cargocycling.org.

Real die Frage: Müssen wir in Norddeutschland wirklich Milch aus dem Süden, welche per Lkw herangekarrt wird, konsumieren? Brauchen wir einen 24-Stunden-Lieferdienst, der zusätzlichen Verkehr erzeugt; reichen nicht auch 2 Tage als Lieferfrist? Machen wir uns mal Gedanken, wie selbstverständlich solche Dinge für uns mittlerweile sind.

“Wir sollten anfangen, zwischen menschlichen Grundbedürfnissen und spätrömischer Dekadenz zu unterscheiden.“

Prof. dr. Nico Paech (2019)

Wie ernst gemeint sind die Aktionen der Städte und Gemeinden? Bekommen wir es hin, den Wunsch einer Verkehrswende im politischen Mainstream zu verankern?

„Demokratische Instanzen wagen niemals, gegen den Mainstream vorzugehen. Das wäre politischer Selbstmord. Deshalb bedarf es zunächst glaubwürdiger Signale aus der Zivilgesellschaft. Sie muss die Politik darin bestärken, endlich mit Klimaschutz zu beginnen.“

Prof. dr. Nico Paech (2019)

Uns wird von Unternehmen und Politik Nachhaltigkeit zumeist als ein “Weiter-so-aber-effizienter” verkauft. E-Autos sollen Abgase reduzieren; nachgedacht wird aber kaum über die Batterie-Rohstoffe oder den Flächenverbrauch in den Städten, der unabhängig von der Antriebsart ist.

Das E-Auto ist das Methadon einer fossilen Suchtkultur

Prof. Dr. Harald Welzer, 2019

Denkt mal nach: Was in unserem täglichen (Verkehrs-)Leben ist noch Grundbedürfnis oder schon (fossile) Dekadenz? Wie wollen wir unsere Mobilität in Zukunft gestalten? Mit meinen Aktionen ermuntere andere, mitzumachen oder ihre Handlungen und Konsummuster zu überdenken.

Zukunft ist keine Skalierung der Gegenwart

Prof. Harald Welzer, 2019
Harald Welzer (61) ist Soziologe. Seit 2012 Honorarprofessor für Transformationsdesign an der  Europa-Universität Flensburg und Direktor der Stiftung  Zukunftsfähigkeit FuturZwei in Berlin.

Niko Paech (58) ist Volkswirt und Nachhaltigkeitsforscher. Er lebt in Oldenburg, wo er bis 2016 als außerplanmäßiger Professor beschäftigt war. Inzwischen lehrt und forscht er an der Universität Siegen. Quellen: Interview im Weser-Kurier, 04. Juli 2019

Das Unmögliche

Stückgut, Expressgut – kennt das noch jemand? Das ist das, was wir heute Paketdiensten mit zumeist drei-buchstabigen Abkürzungen überlassen. Das sind kleinere Sendungen, die zumeist per Lkw abgeholt und angeliefert werden. Gibt es eine Möglichkeit, außer per Lastenrad, soche Güter wirklich klima-neutral zu transportieren?

“Wirklich klimaneutral” heißt ohne CO2-Kompensation oder anderweitiges “greenwashing”, sondern ehrlich den Versuch machen, emissionsverringert zu transportieren, und zwar auf der Langstrecke.

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Der Preis der Mobilität auf der Straße

Heute, am 24. November 2019 ist Totensonntag. Wir gedenken unseren Toten, so auch den Verkehrstoten in Deutschland. In diesem Jahr bis einschließlich August 2.050 Menschen, so die Statistik. Der Preis der Mobilität auf der Straße.

Stellen Sie sich vor, die Bahn verursacht 3.500 Tote im Jahr. Wären da nicht schon alle Schienen herausgerissen?

Klaus Gietinger, 99 Crashes. Prominente Unfallopfer, Westend Verlag 2014
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